28.09.10

Schockieren war gestern - Vivienne Westwood


Vivienne Westwood ist ohne Frage eine der wichtigsten Designerinnen, die die Britischen Inseln zu bieten haben. Seit den Siebzigern ist sie im Geschäft und hat beinahe alles erreicht. Jahrelang war sie auch führend was das Schockieren im High fashion-Business anging. Nachdem man der Queen luftig bekleidet, sprich ohne Unterwäsche, einen Besuch abgestattet hat, ist man offenbar irgendwann der Aufreger überdrüssig.

Stattdessen wird Westwoods Schaffen zunehmend politisch und sozial motiviert. Der Druck auf den limitierten Sigg-Trinkflaschen - dem Give-away bei der Londoner Modenschau - fordert zum Stop des Klimawandels auf. Und neben einer Kollektionsbeschreibung konnten alle Anwesenden eine Broschüre der Menschenrechtsorganisation Reprieve auf ihrem Platz finden, die sich für Guantánamo-Häftlinge und Insassen von Todeszellen einsetzt.

Die Westwoodsche Unterstützung der Organisation war auch auf dem Laufsteg erkennbar, durch eine viele Looks komplettierende herzförmige Kette. Die Erlöse für die Herzen (ab Ende November sind die Ketten und Broschen erhältlich) kommen vollständig Reprieve zugute.

Die Kollektion an sich erschien für Westwood-Verhältnisse ungewöhnlich tragbar. Die typischen Drapierungen und voluminösen Schnitte, der teils ungewöhnliche Materialmix (blockgestreifte Baumwolle zu Brokat) und die Slogan bedruckten Accessoires ließen aber doch zu keinem Zeitpunkt Zweifel aufkommen, wessen Werk man hier begutachtet.

Sackkleider, Minikleider mit Rüschenapplikationen, Mikrominis, Shorts und bedruckte T-Shirts sind ebenso Kollektionsbestandteile wie Kostüme mit ausgefransten Kanten, karierte Hochwasserhosen, hochgeschnittene Bundfaltenhosen, Hosenanzüge und Wickeljacken. Vereinzelt noch kombiniert mit Strickelementen. Ein absoluter Eye-catcher sind die Colorblock-Brogues und Hightops aus Lackleder.

Beim betrachten der farblich fast allumfassenden Gesamtheit der Entwürfe wird schnell klar, worauf es nächsten Sommer weiterhin ankommt: Taillenbetonung, Leoprints, Muster- und Materialmix und allem voran Individualität und Engagement!

Mein ganz persönliches London Fashion Week-Highlight - das ich um nichts in der Welt hätte verpassen wollen!

27.09.10

London Fashion Week shoe-show

A few examples of the (sometimes pretty crazy) sneakers, boots and heels worn at London Fashion Week. There was such a wide range of what was worn - literally everything from Rick Owens hightops to hooker-style plexiglass heels.


And some fine new shoe models from Topshop Newgen designers like Craig Lawrence, J.W. Anderson, David Koma, Chau Har Lee. Okay walking is the last thing you'll be thinking about when consindering buying those, but they look definitely very special...

26.09.10

195 Jahre jung - Pringle of Scotland

Designer alteingesessener Labels haben es nicht immer leicht – sie können zwar einerseits auf traditionsreiche Archive zugreifen, müssen aber andererseits auch sicherstellen die hauseigene, sowie die persönliche Handschrift nicht aus den Augen zu verlieren.

Der schottische Strickspezialist Pringle of Scotland feiert dieses Jahr bereits sein 195jähriges Bestehen.

Keine leichte Aufgabe also für Creative director Clare Waight Keller, die vor fünf Jahren diese Position übernahm, die ursprünglichen Pringle of Scotland-Designelemente einmal mehr spannend und zeitgemäß zu übersetzen.

Wie schon die Männerkollektion für Spring/Summer 2011, ist auch die Frauenkollektion von Derek Jarmans Film „Blue“, in dem Tilda Swinton die Hauptrolle spielt, inspiriert. Typische Elemente männlicher Garderobe und schottische Anklänge, wie der Kilt, werden äußerst feminin interpretiert.

Fransen, eingelegte Falten, Karomuster, Mesh-Materialien, klassische Kiltverschlüsse und das, durch verschiedene Flechtmethoden neu interpretierte, Pringle-Argyle-Muster sind die tonangebenden Gestaltungsbausteine der Kollektion. Angewendet in voluminösen Blusen, Tops, Minikleidern, Röcken, die zum Teil mit langen, weiten Hosen, Blazern, Kurzmänteln und Lederschürzen gestylt werden.

Farblich bewegt sich die Gesamtheit der Entwürfe in dezenter Helligkeit, gebildet durch Weiß, Beige und verschiedene Blautönen, die vereinzelt von Grau und Schwarz durchbrochen wird.

Clare Waight Keller wollte zwei konträre Elemente der Weiblichkeit vereinen – Frivolität und Pragmatismus. Eine äußerst ansehnliche Fusion!


(all pictures for London Fashion Week reviews burrowed from www.picapp.com)

24.09.10

Britische Wanna-haves - DAKS

Das britische Traditionslabel DAKS präsentierte sich zum zweiten Mal bei der Londoner Fashion Week. Wie bei vielen anderen Labels dienten auch im Hause DAKS ferne Reiseziele und exotische Orte als Inspiration für die nächste Spring/Summer-Episode. In diesem Fall spielt eine stilistische Reise nach Indien die Hauptrolle.

Dies vor Augen entschied sich Chefdesigner Filippo Scuffi überwiegend leichte, natürliche Materialien zu verwenden, wie sie in solch heißem Klima verstärkt zum Einsatz kommen – Baumwolle und Leinen ergänzt mit Leder und Seiden. Letztere mit indischem Ursprung.

Die dezente Farbpalette basiert auf den Nichtfarben Weiß, Grau und Schwarz. Von der reichhaltigen Farbvielfalt, die einem Gewürzstände auf indischen Märkten zu bieten haben, entschied man sich ein klassisches Senfgelb als farbigen Ausreißer hinzuzufügen. Von diesem Abgesehen, wird die nichtfarbene Eintönigkeit durch das typische DAKS-Karo aufgelockert.

Die, von den 30ern inspirierten Kollektionsteile muten sehr minimalistisch, elegant und zeitlos an – Hemden, Anzüge, Hemdblusen(kleider), hochgeschnittene Shorts und weite Hosen, Faltenröcke und Sackkleider. Die Highlights waren ein knielanges, plissiertes Kleid bei den Frauen und ein senfgelbes, fast knielanges Tunika-Hemd für Männer.

Die quantitativ überschaubare Kollektion wird komplettiert von Totes, Messenger-Bags und Rucksäcken.

Völlige Tragbarkeit auf den Punkt gebracht!

23.09.10

Georgina of the jungle - Kinder Aggugini

Der italienischstämmige Designer Kinder Aggugini ist nicht unbedingt jedem Modeinteressiertem ein Begriff, obwohl man höchstwahrscheinlich schon viele seiner Designs wahrgenommen hat – ohne es zu wissen...

Immerhin arbeitete der Ex-Punk, der Mitte der 80er nach London kam, bereits in großen Modehäusern, wie John Galliano, Calvin Klein, Costume National, Vivienne Westwood, Paul Smith und nach Gianni Versace’s Tod mehrere Jahre an der Seite von Donatella. Diese Karriere-Meilensteine sind nicht zuletzt dem Erlernen des Design-Handwerks in der St. Martins School of Art und der Londoner Savile row geschuldet.

Kinder’s Vision für Frühjahr/Sommer 2011 wurde inspiriert von einem Buch aus dem Jahr 1805. Darin beschrieb der schottische Entdecker Mungo Park seine Reisen auf dem afrikanischen Kontinent – und wie der Kontinent ihn in seinen Bann zog.

Riesige Stoßzähne dekorierten das Laufstegende, durch das die Models nach und nach eintraten, um eine Kollektion zu präsentieren, die einen Bogen spannt von konstruierten Jacken, Blazern und Hosen à la Savile Row bis hin zu lose drapierten, bodenlangen Kleidern, die mit Ethno-Accessoires wie Lederketten, die Halsringen nachempfunden sind, ergänzt werden.


Blusen werden kombiniert mit Westen, Blazern und Hosen oder Röcken und bilden zusammen mit Minikleidern, mit Wasserfall-Ausschnitten, asymmetrischen Drapierungen oder freizügigen Rückenansichten und bodenlangen Abendkleidern die Gesamtheit der Kollektion. Diese wird bestimmt durch Gestaltungselemente wie ausgefranste Kanten, Batik- und Animal-Drucke und durch gegürtete, betonte Taillen. Die weißen fleckigen Polka-Dots auf schwarzem Untergrund, wie sie sich auf Einladung und Pressemappe befanden, wurden im Futter einzelner Kollektionsteile wiedergespiegelt.

Die nichtfarbige Grundlage von Schwarz/Weiß wurde um natürliche Farben, wie Braun und Beige ergänzt und erhielt Highlighter in knalligem Blau, Gelb und gedämpften Orange- und Rosttönen. Weitere farbige Blickfänger waren die, von Hutmacher-Ikonte Stephen Jones angefertigten „Papierhüte“.

Eine sehenswerte transkontinentale Verschmelzung völlig unterschiedlicher Bekleidungstraditionen.

Schockreduzierte Printkunst - Basso & Brooke

Wenn man sich auf seinem Platz in den Reihen einer Basso & Brooke-Schau niederlässt darf man davon ausgehen eines ganz sicher geboten zu bekommen – fabelhafte Drucke. Das brasilianisch-britische Designer-Duo begeistert seit jeher, was genauer heißt seit 2004, mit dramatischen Veranstaltungen, inklusive kunstvollem Make-up, ausgeklügelter Schnittkonstruktionen und ihren, die Design-Handschrift dominierenden, Drucken.

Bei all den Aufregern die dieses Zweigestirn in der Vergangenheit bereits geboten hat, überraschte die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2011 mit außergewöhnlichem Minimalismus. Zumindest die Schnittkonstruktion wird davon bestimmt, was als Ergebnis die vermutlich tragbarsten Entwürfe Basso & Brooke’s bisher zur Folge hat.

Klassische Hemdblusen, hochgeschnittene Teller-Miniröcke, Kurzmäntel und Minikleider – zum Teil ärmellos mit voluminösem Schwung und Drapierungen, kurzärmelig mit Cut-Outs oder mit Wasserfall-Ausschnitt und teilweiser Transparenz ausgestattet, aber auch Hosen – mit Bundfalten oder Overlays – bilden die überschaubare Produktpalette.

Seiden-Voile- und Georgette, Shantung-Seide und Baumwoll-Gabardine stellen die Leinwände dar für die digitalen Drucke, die zum Teil die Illusion schwerer Materialien hervorrufen – indem die Textur von Leder oder Tweed nachgeahmt wird. Durch Tromp l’oeil-Effekte wird die Dreidimensionalität mancher Kleider verfälscht.

Die Komposition der Drucke kennt wie immer keine Gesetzmäßigkeit – verschiedenste Motive werden in einzelnen Entwürfen kombiniert, beispielsweise florale Muster, Animalprints, Gesteinsoptik, Landkarten, stilisierte Fernseh-Testbilder und handschriftliche Notizen großer Schriftsteller und Künstler, wie Da Vinci, Tolstoy, Balzac und Saint-Exupéry.

Alles in allem eine Hommage an eine Prä-Digitale Zeit, die zum Glück vorbei ist – sonst hätten die textilen Kunstwerke von Bruno Basso und Christopher Brooke nicht entstehen können...